Hallo mein liebster Freund,

Ich habe lange nicht mehr mit dir geschrieben. Es könnte daran liegen, dass ich momentan in stationärer Behandlung bin. Vielleicht liegt es aber auch nur daran, dass ich hier kein WLAN habe. Seit anderthalb Monaten wird mir gesagt, ich habe mich verändert. Zum Negativen. Vielleicht weil ich bemerkt habe, dass mein Opa letztes Jahr gestorben ist, vielleicht aber auch nur an der Sache mit Sarah.
Habe ich dir schon mal von ihr erzählt? Ich glaube nicht. Sie war in den letzten Monaten nicht mehr “der” Mensch in meinem Leben. Sie hat sich stark verändert, genau wie ich, zum Negativen. Für mich, nicht für sie. Mir kommt es vor, als würde sie mit Absicht Gründe suchen um mich zu hassen. Damit sie “cool” vor ihren “Freunden” dar steht. Ich bin eben nicht die “Coolste”. Selbstverständlich, mit der Zeit andern sich Menschen. Das ist mir bewusst. Nur ist es mir nicht so eindeutig klar, wie ich es gerne hätte.
Sie schläft mit einem Jungen, in den ich mal ziemlich stark verliebt war. Ich war hoffnungslos in ihn verliebt und sie wusste es. Sie weiss es immer noch. Aber “es ist schon so lange her”. Nun gut, das lindert den Schmerz des hintergangenwerdens nicht wirklich. Es tut weh, wenn in einem Moment echt die ganze Welt für einen zusammenbricht. Mit meiner Störung habe ich sowieso schon eine unangenehme Überempfindlichkeit, dann brauche ich nicht noch eine so genannte “Freundin” die mit jemanden der mir mal sehr, sehr wichtig war schläft. Und den Tod von Opa brauche ich erst recht nicht.
Ich vermisse meinen Opa, genauso wie ich Sarah vermisse.
Meine Suizidalen Gedanken steigern sich Tag für Tag. Meine Therapeutin ist seit zwei Wochen krank und ich weiss nicht mehr wo hin mit meinen Gedanken. Ich möchte mich umbringen. Vielleicht nicht heute, vielleicht nicht in einem Jahr, aber mit 21 am 9. Juli. Den Moment herbeizaubern der vor zwei Jahren gescheitert ist und ich zwangseingewiesen wurde.
Nun habe ich mir wirklich gründlich Gedanken gemacht. Über die Welt, über mich und so. Du weisst schon. Es ist ungerecht jeden Tag wieder aufstehen zu müssen, obwohl man es gar nicht will. Man lebt nur um zu sterben. Vielleicht nicht in 20 Jahren, aber in 100 Jahren werden die, die das hier lesen, garantiert nicht mehr existieren. So will es die Evolution. “Fressen und gefressen werden.” Wie gesagt, wir leben nur um zu sterben.
Irgendwann.
Also warum jemanden zwingen zu leben, der sich schon lange, sehr lange aufgegeben hat und der keinen Sinn im Leben sieht und noch nie einen gesehen hat?
Ist DAS nicht das ungerechteste auf der Welt? Jemanden zum Leben zwingen? Wenn jemand sich bereiterklärt zu sterben, sollte man ihn gehen lassen. Er macht das garantiert nicht ohne Grund. Es gibt immer einen Grund. Bei mir sind es mehrere gleichzeitig.
Überwiegend der Grund, dass ich zu meinem Opa möchte. Ich möchte ihm einen chocolate chip Cookie von Starbucks und einen heissen Kakao mitbringen. Das und noch mehr bin ich ihm schuldig.
Du möchtest bestimmt die anderen Gründe erfahren, nicht wahr?
Grund Nummer zwei. Das Familienverhältnis. Mein “Freund” war am Samstag, als wir Familienfeier hatten, bei uns. Er hat mir und meiner Mutter klipp und klar gesagt, wie vorgeheuchelt unsere Familie doch ist. Er meinte das wirklich ernst und war erschrocken, da er so ein Verhältnis nicht kannte. Ich war entsetzt als er das sagte, genau wie meine Mutter. Aber wir dachten das Gleiche. Er hat recht. Natürlich hat er recht. Es ist einfach beschissen bei uns zuhause. Deshalb bin ich ausgezogen und versuche mich der Norm anzupassen.
Grund Nummer drei. Ich liebe jemanden. Er liebt mich nicht. Trauriges Spiel, nicht wahr? So ist das eben. Leute die sich umbringen, sind unglücklich verliebt. Nun ja, es ist nicht wirklich ein Grund sich umzubringen, aber es ist nun mal ein Grund von vielen. Es ist nicht der gleiche Junge, den ich eben meinen “Freund” nannte. Es ist ein anderer. Über ihn habe ich mehrmals geschrieben, du weisst schon. Der Idiot, der nicht sieht, wie “toll” ich bin. HAH, wie lustig.
Grund Nummer vier. Mein Gehirn. Es spielt mir immer mehr Streiche. Meine Paranoia, meine suizidalen Gedanken, meine Depressionen und meine falsche Wahrnehmung steigern sich jeden Tag. Es ist nicht mehr auszuhalten. Ich drehe durch, jede Stunde, jede Minute. Hatte ewig keinen Spass mehr, da ich denke die Leute hassen mich und wollen mir böses. Ich kann damit nicht mehr umgehen, ich versuche durch die Therapien so gut wie möglich alles zu distanzieren. Damit die Zeit die mir noch bleibt, so angenehm wird wie es nur geht. Ich kann aber nicht mehr so weiter leben. Und möchte das auch nicht. Deshalb ziehe ich einen Schlussstrich.
Grund Nummer fünf. Die Wut in mir. Es macht mich so wütend, dass es vor zwei Jahren nicht geklappt hat. Das ich mich nicht einfach umbringen konnte. So wütend, dass ich einen so grossen Selbsthass entwickelt habe. Ich schaue seit Monaten nicht mehr in den Spiegel. Ich hasse mich selbst und das macht mich ebenso wütend wie der fehlgeschlagene Suizidversuch.
Grund Nummer sechs bist du meine Liebe. Ich weiss, ich Schreiber den Brief eigentlich an jemand anderen, aber da ich weiss, dass sie diesen scheiss auch noch lesen wird, richte ich den Grund an sie. Okay? Okay.
Du hast mich so verletzt. Und das nicht zum ersten Mal. Immer wieder die letzten sieben Jahre. Ich sass oft heulend im Wohnzimmer und habe meiner Mutter gesagt wie sehr ich dich liebe und wie sehr ich dich brauche. Sie verstand es nie. Sie war zwar immer nett, wenn du zu Besuch warst, aber sid verstand nicht, wieso ich so an dir hängen konnte, wenn du mich immer wieder so verletzt hast.
Es ist irgendwann nicht mehr auszuhalten. Wirklich nicht. Es tat irgendwann so weh, dass ich mit dem selbstvrrletzenden Verhalten anfing. Irgendwie musste ich den seelischen Schmerz lindern. Es ging damit besser. Ich konnte dir weiter “vertrauen”. Was ich nie wirklich tat, nach dem Vorfall mit meinem Geburtstag.
Kindische Sache, aber so etwas prägt einen in einer “Freundschaft”. Als ich dieses selbst schädigende Verhalten nicht mehr kontrollieren konnte, kam ich auf die Geschlossene. Dort standen auf einmal alle wieder hinter mir. Gaben mir all ihre Unterstützung und ihren Mut. Immer dann, wenn es zu spät ist. Nur von dir habe ich es nicht bekommen. Ich wollte es auch nicht. Nicht, als ich mich gerade stabilisiert habe. Ich kam drei Monate später auf dich zu. Mit einem langen Text den ich fünf Tage versucht habe zu dichten. Du hast mir verziehen, genau wie ich dir. Wir waren wieder wie Dumm und Dümmer.
Es tut weh, an dich zu denken. Ich liebe dich immer noch sehr. Wie eine Freundin. Aber das bist du nicht mehr. Du bist nicht mehr die, in die ich mich mal “verliebt” habe. Die ich kennengelernt habe und mit der ich jeden scheiss machen konnte. Du machst nur noch Party, schläfst mit Jungs und triffst dich mit deinen Weibern. Du meinst, ich hatte keinen Kontakt zu dir? Dazu gehören immer zwei, meine Liebe. Ich brauchte Abstand und nicht gleich einen Fick ins Herz. Ich brauchte Ruhe und nicht gleich Schmerz der mich seelisch umbrachte. ich brauchte dich und kein kleines Miststück. Ich. Brauchte eine echte Freundin. Ich brauche sie immer noch und wo ist sie? Bei dem Jungen, den ich einst liebte. Weisst du wie toll sich das anfühlt? Endlich sechs Gründe zu haben, sich umzubringen? Weisst du wie toll sich das anfühlt, nicht mehr weinen zu können weil man schon längst tot ist? Nein, das weisst du nicht. Du machst dich sicher schon wieder darüber lustig. So wie vor ein paar Wochen deine “Freunde” sich über mich lustig machten. Es tat so weh, du glaubst es nicht. Ich konnte nicht weinen, nur noch zum Pfleger und ihm das vorspielen. Seine Reaktion war die Beste. ha ha. Ich finde ihn inkompetent und dank ihm lebe ich noch. Ich stabilisierte mich, schrieb dir zum letzten Mal, löschte dich in meinem Handy und blockierte dich. Ich kann so etwas im Moment nicht gebrauchen. Das weisst du. Ich bin emotional labil und möchte sterben. Und du? Schickst mir zwei Sprachnotizen in denen sich deine “Freunde” über mich lustig machen.
Wo warst du in den letztes sieben Jahren? Wo warst du als ich mich zum ersten Mal umbringen wollte? Wo warst du bei meinem ersten Klinik Aufenthalt? Wo warst du bei meiner ersten Selbstverletzung? Wo warst du?
Seltsam, aber für all diese Dinge warst du einer der Gründe…
Es macht mich traurig an dich zu denken, deshalb lasse ich es jetzt.
Es war gut, dass das hier passiert ist, so habe ich mehr Gründe.
Nun die Gründe, um noch weiter zwei Jahre Hölle mitzumachen.
Mein Hund, Stefanie, Lines, mein “Freund”.
Lines, ich liebe dich und werde nicht damit aufhören. Wenn du das hier lesen solltest, es tut mir leid. Ich muss es tun und werde es auch tun. Nicht jetzt, aber bald.
Steffi meine Liebste. Du warst immer die Treuste, wir haben uns nie wirklich gestritten und ich liebe dich so sehr, wie vor zehn Jahren. Du bist und bleibst einfach die Beste. Danke für jeden Scherz, für jeden Mr. Thang Besuch und für jeden Besuch in der Klinik. Ich liebe dich, vergiss das nicht, ja?
Oh je, wenn ich weiter schreibe, Weine ich gleich. Peinliche Sache.
Nun zurück zu dir, liebster Unbekannter. Es tut mir leid, dass ich dir dieses Mitleidgedöns schreibe. Doch irgendwo muss ich es raus lassen. Deshalb danke. Auch wenn du diesen Brief wahrscheinlich nie lesen wirst.
Es wird nicht der letzte Brief sein, versprochen. Aber der letzte für dir nächsten vier Wochen.
Nun gut. Bis zum nächsten Mal!


Lieben Gruss,
Du weisst schon.

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"The only people up at 3 am are in love, lonely, drunk, or all three." - (via h-albschlaf)

(Source: just-an-autumn, via so-young-yet-so-cynical)



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Well, maybe i want a relationship. Maybe with you. But how can i make sure that i want a relationship? I’m too scared of beeing not good enough. I want you, but do i want you that way?
Do you want me too? I dont know. You didnt tell me. I guess i’m ready for this. Why shouldnt i? I mean, there will be always the thoughtb ‘he can hurt me’. I really want to fall in love with you. But i cant. Isnt it crazy that i want a realtionship with you even if i cant love you?

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distraction:

honestly all i want in life is a good body and some friends

(via g0tta-fall-beforeu-fly)

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"I knew it wasn’t too important, but it made me sad anyway." - J.D. Salinger, The Catcher in the Rye (via simply-quotes)

(via wavesofmissingyou)



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i need kisses and attention and alcohol

(via prescriber)

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(Source: she-does-it-well, via ewighaeltdie-liebe)



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The Electric Chair, Huntsville Texas State Penitentiary, 1968 by Danny Lyon.
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